Freitag, 30. Juni 2017

Offener Brief an Frau LH Johanna Mikl-Leitner und LR Ludwig Schleritzko


Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau, sehr geehrter Herr Landesrat!

Angesichts der laufenden Umweltverträglichkeitsprüfung werden die Sorgen der Anrainerinnen und Anrainer bezüglich der Ostumfahrung immer größer. Für hunderte Wiener Neustädter und Lichtenwörther bedeutet die geplante Straße eine gravierende Beeinträchtigung ihrer bisherigen Lebens- und Wohnqualität.

Wir hören immer wieder von den angeblich positiven (in vielen Fällen nicht nachvollziehbaren) Effekten, die die Ostumfahrung bringen wird. So sollen innerstädtische Straßen entlastet werden. Das wird aber durch die Zahlen der Verkehrsplaner des Landes in dieser Form gar nicht bestätigt. Vielmehr ist zu befürchten, dass sich die Ostumfahrung in Verbindung mit der schon umgebauten B17 und der S4 zu einer nicht mautpflichtigen A2 Umfahrung für den Schwerverkehr zwischen Wiener Neustadt Süd und Traiskirchen etabliert, worauf in den Zahlen der Verkehrsplaner nicht eingegangen wird.

Dass die angeblichen positiven Effekte damit erkauft werden, dass einerseits hunderte Anrainerinnen und Anrainer und andererseits die Natur zu den Leidtragenden zählen, wird nirgends erwähnt. Die negativen Aspekte der Ostumfahrung werden ignoriert. Auf Einwände wird nicht eingegangen. Kritik wird vom Tisch gewischt mit dem "Argument", man müsste uns Anrainern das nur genau erklären, dann würden wir das schon verstehen.

Wir haben schon genug erklärt bekommen und kennen die Pläne genau. Daraus wissen wir:

Die Ostumfahrung bringt
  • die Zerstörung des Natura-2000-Gebietes Warme Fischa – ein Gebiet, das mit Sicherheit zu den schönsten Flecken im Umfeld der Statutarstadt Wiener Neustadt zählt und in dem unter anderem Feldhamster, eine geschützte Tierart, heimisch sind
  • eine beträchtliche Veränderung des bisherigen Landschaftsbildes 
  • eine Vernichtung von wertvollem Ackerland 
  • noch mehr Abgase, noch mehr Verkehr und noch mehr Lärm, was vor allem für die Anrainer im Nordosten der Stadt in Verbindung mit dem angekündigten Vollausbau der Pottendorfer Linie der ÖBB zu einer unzumutbaren Belastung führen wird 
  • durch die herrschende Windsituation eine erhebliche Belastung für die Gemeinde Lichtenwörth
  • eine Wertminderung der Grundstücke und Häuser von hunderten Anrainerinnen und Anrainer. Statt unberührter bzw. landwirtschaftlich genutzter Flächen werden die Anrainer in Zukunft eine bis zu 11,5 Meter hohe Trasse in mittelbarer bzw. teilweise unmittelbarer Nachbarschaft haben.

Aus diesem Grund haben im Vorjahr über 500 direkt betroffene Anrainer und Anrainerinnen aus Lichtenwörth und Wiener Neustadt aus rund 450 Haushalten (entspricht über 1.000 betroffenen Bürgerinnen und Bürgern) die Petition "Ostumfahrung – So nicht!" unterschrieben und sich gegen die Ostumfahrung bzw. gegen eine Ostumfahrung in der geplanten Form ausgesprochen.

Besonders ärgerlich: Der Verzicht auf die Tieflage


Was die Anrainerinnen und Anrainer ganz besonders ärgert ist Folgendes: Während für die Richtung Norden anschließende B17 im gesamten Bereich Theresienfeld, und selbst dort, wo praktisch niemand wohnt, die anschließende Nordspange, B21, die Trassenführung in Tieflage erfolgte, wird die Ostumfahrung durchgehend auf bzw. erheblich über Bodenniveau (11,5 Meter Gesamthöhe im Natura-2000-Gebiet!) geführt. Dabei war die Tieflage vor ein paar Jahren durchaus noch vorgesehen, ebenso die Unterquerung der Warmen Fischa, die bei der so genannten Kleingassen-Variante geplant war.

Nunmehr werden technische Gründe dafür genannt, dass von der Tieflage abgesehen wird – ein Argument, das bei den Möglichkeiten der heutigen Technik und angesichts der Tatsache, dass in der Lobau etwa eine komplette Untertunnelung geplant ist, reichlich abstrus ist.
Wir appellieren dringend an Sie: Unterziehen Sie dieses Projekt nochmals einer grundlegenden Revision und setzen Sie sich dafür ein, dass die Ostumfahrung – wenn sie schon trotz allen Zweifeln an der Sinnhaftigkeit kommen "muss" – in einer für die Umwelt möglichst schonenden und für die Anrainer verträglicheren Variante gebaut wird: Das ist die durchgehende Tieflage bzw. die Unterquerung von Warmer Fischa und Werksbach.

Mit besten Grüßen

Georg Panovsky, Wiener Neustadt, Plattform "Ostumfahrung - So nicht!"
Marion Berger, Wiener Neustadt
Gernot Faber, Wiener Neustadt
Edith Ferstl, Wiener Neustadt
Helmut Frais-Kölbl, Wiener Neustadt
Gunhilde Jentsch, Wiener Neustadt
Hubert Lechner, Lichtenwörth
Silvia Pöttschacher, Wiener Neustadt
Alfred Wohlmuther, Lichtenwörth

www.ostumfahrung.at
https://www.facebook.com/groups/ostumfahrung/
plattformostumfahrung@a1.net

Mittwoch, 10. Mai 2017

Einladung zum


Aktivistentreffen Ostumfahrung



  • Wo: Schifferlwirt, Rechte Kanalzeile 69
  • Wann: 31. Mai, 18 Uhr
  • Themen: Stand der Dinge / Weitere Entwicklung / Weiteres Vorgehen / Möglichkeiten zum Engagement / Kennenlernen




Das Projekt Ostumfahrung geht in seine nächste Phase. Demnächst wird die Umweltverträglichkeitsprüfung zur öffentlichen Einsichtnahme aufgelegt werden.

Bis zur endgültigen Verwirklichung der Straße wird aber noch geraume Zeit vergehen – geplant ist die Fertigstellung für das Jahr 2022.

Das bedeutet: es gibt viel Zeit und auch viele Möglichkeiten, um noch etwas zu unternehmen, um zumindest eine umwelt- und "anrainerverträglichere" Variante (Stichwort Tieflage) zu erreichen.

Dazu braucht es aber das Engagement mehrerer. Machen Sie mit, zeigen auch Sie, dass man mit uns Anrainern und mit der Natur nicht alles machen kann. Kommen Sie zu unserem Treffen am 31. Mai beim Schifferlwirt.

Bei Interesse an einer Teilnahme bitte um kurze Rückmeldung an plattformostumfahrung@a1.net wegen Platzreservierung.