Sonntag, 21. August 2016

Ein Projekt zu Lasten der Anrainer

Offener Brief an Bgm. Klaus Schneeberger und Vizebgm. Horst Karas


Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Vizebürgermeister!

Wir erleben bei der von Ihnen ins Leben gerufenen bzw. unterstützten Aktion "Pro Ostumfahrung" leider Altbekanntes. Während einerseits mit einer Entlastung, die sich aus den Zahlen der Straßenplaner nicht darstellen lässt, für die Ostumfahrung geworben wird, kommen die Anrainer als von der Trassenführung negativ Betroffene überhaupt nicht vor.

Über uns als betroffene Bürger soll im wahrsten Sinn des Wortes drübergefahren werden. Unsere Interessen werden ignoriert. Was mich und viele andere Anrainer maßlos ärgert: Sind wir denn keine Bürger dieser Stadt? Immer wird nur von den Entlastungen gesprochen, die angeblich für bestimmte Stadtteile erreicht werden. Dass wir als Anrainer aber ganz massiv unter der Ostumfahrung zu leiden haben werden, ist keinem ein Wort wert. Es wird vom Wohle der Stadt gesprochen - aber was ist mit unserem Wohl? Das kümmert scheinbar keinen.

Auch der Naturschutz ist kein Thema - immerhin ist durch die Ostumfahrung ein Naturschutzgebiet betroffen. Über mehrere Kilometer wird das Landschaftsbild massiv beeinträchtigt und wertvolles Ackerland vernichtet.

Die Ostumfahrung ist für uns Anrainer eine Katastrophe, sie richtet enormen Schaden an.


  • Für die Landschaft: Die Ostumfahrung ist kein harmloses Straßerl, wie die Bildsprache der Initiative Pro Ostumfahrung suggeriert. Die Ostumfahrung ist ein "Riesending". Während die Nordspange praktisch durchgehend tiefgelegt wurde, wird die Ostumfahrung als "Billiglösung" gänzlich über Bodenniveau geführt. Die Straße durchschneidet als im ersten Abschnitt bis zu elfeinhalb Meter hoher Wall bisher weitgehend unberührtes Gebiet. 
  • Für die Natur: Das Naturschutzgebiet Warme Fischa (offizielle Bezeichnung „Natura-2000-Gebiet Leithaauen“) und Landschaftsteile, die zu den schönsten von Wiener Neustadt gehören, werden wesentlich  in Mitleidenschaft gezogen.
  • Für uns Anrainer: Für uns Anrainer bedeutet die Ostumfahrung eine wesentliche Einschränkung unserer bisherigen Lebens- und Wohnqualität. Es wird zu einer teilweise drastischen Wertminderung von Grundstücken, Wohnungen und Häusern kommen. Betroffen sind mehrere Stadtteile (altes Siedlungsgebiet im Nordosten der Stadt - Lichtenwörther Straße und angrenzende, aber auch neuere Siedlungen wie Kleines Lazarett und Siedlungsgebiet um die Stampfgasse). 


Die von mir initiierte Petition "Ostumfahrung - So nicht!" wurde in den vergangenen Monaten von über 500 großteils direkt betroffenen Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnet. Im Namen dieser Anrainerinnen und Anrainer habe ich an Sie als Bürgermeister bzw. als Vertreter der stimmen- und mandatsstärksten Partei folgende Fragen:


  • Die Ostumfahrung geht auf Planungen aus den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts zurück. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass das gesamte Projekt neu gestartet wird - auf Basis einer ganzheitlichen und tatsächlich zeitgemäßen Verkehrsplanung, mit einer umfassenden Verkehrserhebung und Analyse und mit einer echten Bürgerbeteiligung?
  • Sollte die Ostumfahrung dennoch gebaut werden: Werden Sie sich für eine Trassenführung einsetzen, die für Anrainer und Natur eine geringere Beeinträchtigung bedeutet? Während dort, wo praktisch niemand wohnt (Nordspange), die Straße tiefgelegt wurde, wird die Ostumfahrung durchgehend über Bodenniveau geführt. Eine Tieflegung würde einen höheren Aufwand bedeuten, die Beeinträchtigung für Anrainer aber erheblich verringern. Viele Menschen im Kleinen Lazarett haben sich übrigens im Vertrauen auf diese Variante dort angesiedelt.


Ich ersuche Sie um Ihre Antworten. Diese werden veröffentlicht.

Mit besten Grüßen